“Ich bin der Mann von Lolo” von Antoine Jaccoud
Ein letztes Fest von Futur3
Aufführungen: 12. – 14. und 19. – 21. März; 21. und 22. Mai 2010 (im Rahmen von “Sommerblut”), 20 Uhr
Ort: Bestattungshaus C. Kuckelkorn, Zeughausstraße 28-38, 50667 Köln
Preis: 9 Euro / 13 Euro (VVK) | 11 Euro / 16 Euro (AK)
Tickets: 0221 / 985 45 30 und 0221 / 524242 | www.offticket.de (klick Theater im Bauturm)
„Ein fantastisch unterhaltsamer und berührender Abend, ein Kleinod des Abseitigen.” (Kölner Stadt-Anzeiger, 12.9.09)
André Borlat ist ein Mann in mittleren Jahren. Seit er wegen einer Mehlallergie und eines Ausschlages nicht mehr als Bäcker arbeiten kann, ist er Frührentner und verbringt seine Tage damit, Blumenausstellungen zu filmen oder „ein wenig zu wichsen“. Vor allem aber schreibt er Briefe an die große Liebe seines Lebens, an Lolo Ferrari, die Frau „mit dem zweitgrößten Busen der Welt“, auf die er zufällig auf der Doppelseite eines Hochglanzmagazins stieß.
Als er sie schließlich leibhaftig trifft, begegnen sich zwei Menschen am Abgrund der Einsamkeit. Er schwankt zwischen der Begierde für diese Frau mit den gigantischen Silikonkugeln und dem Wunsch, sie zu beschützen und zu pflegen. Sie – in ihrem starken Bedürfnis danach, geliebt zu werden – gibt sich weiter den chirurgischen Exzessen hin und verfolgt ihren selbstmörderischen Weg.
In seinem Monolog begegnen wir einem Mann in der Einsamkeit seiner Onanie, auf seinem Bett mit seinen Heftchen. Um dieser Vereinsamung ein Schnippchen zu schlagen, erzählt er sich und uns langsam in eine mythomanische Liebesgeschichte hinein, in der er vom frustrierten Bewunderer zum sorgenden Ehemann wird:
„… für mich sind die Brüste von Lolo, die sind eher wie kranke Kinder, wie Zwillinge, die da krank wären, und also müsste man auf sie aufpassen und sich sehr behutsam um sie kümmern, ihnen ein wenig von der Last abnehmen, so dick zu sein und nicht alleine gehen zu können… ich sprach mit ihnen, ganz leise wie man mit einem Teddybären spricht, wenn man klein ist und im Bett bleiben muss, weil man eine Angina hat…“
Zwischendurch redet er sich um Kopf und Kragen – dann wieder verfällt er in seine charmant-kindlichen Beobachtungen voller Sehnsucht, die bei aller Komik eine tiefe Traurigkeit beinhalten.
Der Schweizer Autor Antoine Jaccoud legt seinem fiktiven Protagonisten André Borlat eine direkte Sprache ohne Scham, aber auch ohne Schlüpfrigkeit in den Mund – was erstaunlich genug ist für eine Geschichte, die sich in den Vorzimmern der Pornoindustrie abspielt. Borlat stellt, fast wie ein Kind, die großen Fragen der Existenz: Warum sind wir einsam? Wie können wir der Einsamkeit entrinnen? Was ist das Glück? Warum tut alles so weh? Halten wir bis zum Ende durch? Gibt es einen Ausweg aus dem sexuellen Elend? Und vor allem und immer wieder: Was ist die Liebe?
Inszenierung: André Erlen | Assistenz: Judith Ouwens | Ausstattung: Petra Maria Wirth | Presse- und Öffentlichkeitsarbeitarbeit: Nina Speyer | Dramaturgie: Sarah Richter | Sounds: Michel Bölter | Mit: Stefan H. Kraft
Ein Projekt von Futur3 in Zusammenarbeit mit dem Theater im Bauturm und Freihandelszone ensemblenetzwerk köln zu Gast im Bestattungshaus Christoph Kuckelkorn.